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Spielende Erinnerung

Spielende Erinnerung

Letzte Woche ging ich mit meiner Rauhaardackel-Hündin spazieren. Sie heißt Erle und sieht mit ihrem struppigen Fell auch ein bisschen so aus wie frisch vom Baum gefallen. Erle und ich gehen jeden Tag spazieren, aber letzte Woche wurden wir von drei ca. 10-jährigen Jungs auf Tretroller und Fahrrad sehr knapp überholt. Der Ärmel von meiner Jacke wurde noch ein wenig mit nach vorne gezogen und auch der Dackel hüpfte wie ein Flummi zur Seite und ihre Ohren flatterten dabei im Wind. 

Sofort zog ich meine Augenbrauen zusammen und verfiel in den Grummelmodus und dachte mir nur "Ey, geht's eigentlich noch?!", doch der Ärger verflog recht schnell, als ich die Jungs noch eine Zeit lang weiter beobachtete. Sie haben so unbekümmert gespielt und waren eine richtige Bande. Ein Team, was zu diesem Zeitpunkt kein Mensch auf der Welt hätte trennen können. Ihre Mission war es, die Gegend, ihre Gegend zu erkunden, auf dem Rad und auf dem Roller. Und das in einer Geschwindigkeit, dass ihnen die Luft wegblieb und ihre Lungen beim Atmen durch die Kälte brannten mussten. Ich war fasziniert und ehrlich gesagt auch etwas neidisch. 

Wann hast du das letzte Mal unbekümmert gespielt? Und warum hören wir als Erwachsene irgendwann einfach damit auf? 

Ich grübelte und dachte an alle die abenteuerlichen Momente, welche man als Kind so hat und welche Freude das Spielen draußen mit den Freunden mit sich gebracht hat. Wenn man sich am Wochenende schon Vormittags getroffen hat, um mit seinen Freunden weiter an einem Baumhaus zu bauen. Das Mittagessen zwischendrin nur so runtergeschlungen hat, um endlich wieder raus zu können, um den verschollenen Schatz zu finden. Der Gesang der Vögel, welche zur Dämmerung langsam aber sicher das Ende des Tages einläuteten und man wusste, dass man bald wieder nach Hause musste. Das Gefühl, dass das was man tut, das wichtigste auf der Welt ist. Man ist mit Leib und Seele überzeugt von seinem Spiel und vergisst einfach alles um sich herum. Nur du und deine Freunde gegen den Rest der Welt, gegen den Apfelbaum, gegen die alte Eiche mit dem schmerzverzerrten Gesicht, gegen die Wolkenmonster oder Sandkobolde. 

Später am Abend ging es nach Hause, weil die Eltern schon am Geheimquartier standen und einen abgeholt haben. Widerwillig ist man mitgegangen und spürte wie kalt einem doch an den Schienenbeinen und im Gesicht doch war, wenn man aufhörte sich zu bewegen. Ich blickte an mir herunter, meine Jeans war an den Knien aufgeraut und grünlich braun.

Zu Hause in der Badewanne betrachte ich meine Hände und ich wusste, dass ich heute richtig viel gearbeitet habe. Nur mit Mühe bekam ich den Dreck unter den Fingernägeln wieder weg und gab ihn anschließend als Schoko-Topping auf mein frisch zubereitetes Schaumeis. Drei Waschlappen klebten nass an den Fliesen und ich wartete darauf, dass einer runterfällt. Welcher wird es wohl sein? Lag ich dieses Mal richtig? Schnell zog ich meinen Telefon-Joker und rief mit dem Badezimmer-Telefon oder auch Duschkopf genannt meinen Opa im Himmel an und fragte ihn, was er dazu sagt. Natürlich bekam ich direkt eine Antwort. Ich setzte mir eine  Schaumkrone auf und regierte singend mein Königreich, mit dem Holzkochlöffel als Zepter in der Hand, und dann, wenn es Zeit für das Abendessen war, tauchte ich mit meiner Schaumkrone unter, um meine Traumwelt wieder zu verlassen. 

Wieso bin ich nicht immer dort geblieben? 

Spätestens jetzt merke ich, dass ich mit den Gedanken irgendwo völlig anders war, nur nicht vor Ort. Die Jungs kreuzten später nochmal meinen Weg und ich lächelte ihnen sanftmütig zu. Dabei schickte ich für sie einen kleinen Wunsch an das Universum, und dass sie diesen Moment genießen und für immer festhalten können. 

Oft werde ich gefragt, warum ich Spielsachen verkaufe, obwohl ich keine Kinder habe. Manchmal versteh ich diese Frage nicht, manchmal finde ich sie unverschämt und zu persönlich, manchmal aber auch interessant. Ich verstehe auf jeden Fall, warum man mir diese Frage stellt, auch wenn ich mir sicher bin, dass man nicht davon ausgehen kann, dass alle Menschen z.B. ein VW-Auto fahren, auch wenn sie dort arbeiten, oder auch Männer durchaus  in Unternehmen arbeiten, die Frauenhygieneartikel herstellen, auch wenn sie vermutlich nicht ihre Periode haben werden. Haben alle Lehrer:innen Kinder? Reicht es nicht, dass ich selbst einmal ein Kind war? Ich denke, die wenigsten Menschen können sich zu hundert Prozent privat und geschäftlich mit ihrer Arbeit identifizieren und das ist völlig ok. Was ich eigentlich neben meinen blöden Beispielen sagen möchte ist, dass es doch viel wichtiger ist, dass man sich für ein Thema begeistern kann und interessiert. 

Vielleicht wird mir diese Frage auch einfach oft gestellt, weil hier bei Tiny Hazel die Antwort darauf nicht offensichtlich ist und das, was ich vorhabe und bewirken möchte, noch gar nicht richtig kommuniziere. 

Ich habe keine Kinder und nein, durchs Muttersein wurde ich somit nicht dazu inspiriert nach schönen nachhaltigen Dingen fürs Kinderzimmer Ausschau zu halten. Ich wurde inspiriert durch meine Bulli-Reise durch Skandinavien und einen Besuch in einem Spielwarengeschäft in Stockholm. Ich war vorher Produktmanagerin und mag es, mir Dinge und Märkte genau anzuschauen. Produkte anzufassen und mir darüber Gedanken zu machen, wie man sie z.B. besser machen kann, günstiger in der Produktion und vor allem nachhaltiger. 

Es sind aber vor allem die Gefühle und die Geschichten, die ich oben beschrieben habe. Die vielen kleinen Abenteuer, welche man als Kind hatte. Das festhalten an den Erinnerungen, an die Leichtigkeit und die Wichtigkeit des Spiels. Kindern zu zeigen wie schön spielen drinnen und draußen in der Natur sein kann. Aber auch große Menschen daran zu erinnern, wie wichtig spielen ist.  Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben und das möchte ich mir auch unbedingt bewahren. Ich möchte die Welt in meinem kleinen Rahmen mitgestalten und das hoffentlich auf eine richtige Art und Weise. Etwas weitergeben, ein Thema antreiben, den Kindern etwas über unsere Natur beibringen. Zeigen, dass Lernen auch Spaß machen kann, dass es draußen unheimlich viel zu entdecken gibt und wir unsere Natur schützen müssen und ich möchte meine Strukturiertheit und Strenge mir gegenüber hier ablegen können und auftauchen, mit meiner Schaumkrone und dem Holzlöffel als Zepter in der Hand. 

Illustration: Natasha Remarchuk

Kommentare

Dackel 😂top Hund hatte ich als Kind immer ….
Schöner Text

Ganz toller Text, bitte mehr davon! <3

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