Recycling - ein Überblick

Recycling - ein Überblick

Ob im Supermarkt oder im Meer – An Plastik kommt man nur schwer vorbei. Während es im Haushalt wegen seiner Robustheit beliebt ist, wird es in der Natur zum Feind: Vögel verfangen sich in Tüten, Fische essen Mikroplastik und Schildkröten atmen durch Strohhalme. Das sind nur wenige Gründe, warum Verpackungsmüll dringend reduziert werden muss. Und die Industrie hat auch schon eine mögliche Lösung: Recycling.

Was bedeutet recycelbar?

Recycling-Zeichen kommen in verschiedenen Formen und Farben. In der Regel sind sie Grün. In jedem Fall zeigen sie einen bis drei Pfeile, die meistens einen Kreis bilden. Alle diese Zeichen sagen uns eins: Dieses Produkt ist recycelbar.

Das klingt gut, sagt noch nicht, ob diese Verpackung wirklich recycelt wird.

Denn recycelbar bedeutet erstmal nur, dass eine Verpackung recycelt werden kann. Im Umkehrschluss heißt das: Nicht jede Verpackung, die recycelbar ist, wird recycelt.

Was ist Recycling?

Recycling bedeutet, dass z.B. Verpackungsmüll, der im Haushalt anfällt, in den Kreislauf zurückgeführt wird. Der Joghurtbecher kommt also wieder zurück. Entweder als neuer Joghurtbecher. Oder als etwas anderes.  

Denn: Recycling ist nicht gleich Recycling. Generell unterscheidet man vier Formen des Recyclings:

1. Downcycling

Der recycelte Stoff verliert an Qualität und hat nicht die gleichen Eigenschaften wie der Ausgangsstoff. Ein solcher Qualitätsverlust entsteht zum Beispiel, wenn Bestandteile des Materials nur schwer voreinander zu trennen sind. Dadurch wird das Recycling verunreinigt.

2. Recycling

Das recycelte Produkt hat die gleiche Qualität wie der Ausgangsstoff.

3. Direktcycling

Die Verpackung wird sofort wiederverwendet. Einzige Voraussetzung: Der Stoff muss in einwandfreiem Zustand sein.

4. Upcycling

Aus dem Abfall wird ein höherwertiges Produkt. Beim Upcycling entstehen oft kreative Neuwaren wie zum Beispiel Taschen aus LKW-Planen oder Portemonnaies aus alten Comics.

Ob Up- oder Downcycling, wichtig ist, dass Abfall im Kreislauf bleibt. Leider sehen die Zahlen nicht so gut aus, wie man denkt. Von 6,15 Mio. Tonnen Abfall wurden im Jahr 2017 nur 46 % recycelt. Beim Verpackungsmüll lag die Quote etwas höher. Dort konnte laut BMU 2016 die Hälfte aller Kunststoffverpackungen recycelt werden.

Damit eine Verpackung überhaupt recycelt wird, muss das jeweilige Unternehmen diese vorher lizenzieren. Dies macht es bei einem von zehn dualen Systemen wie dem Grünen Punkt. Die Unternehmen zahlen eine entsprechende Gebühr an das von ihnen genutzte System. 

Dabei verbessert mehr Angebot nicht das System. Denn der Preis entscheidet. Die Systeme „stehen miteinander im Wettbewerb, alle kämpfen um die Preisführerschaft. In einem so hart umkämpften Markt geht es nicht primär darum, jene Firmen ökonomisch zu belohnen, die ökologisch sinnvolle, recyclingfähige Verpackungen in Verkehr bringen; hier bekommt der mit dem günstigsten Angebot den Zuschlag“, sagt Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH).  

Die Vielzahl an Systemen führt dazu, dass keine einheitlichen Regeln entstehen. Zwar gibt es einen Standard, der vorgibt, wie Verpackungen leichter recycelbar werden. Dieser ist jedoch nicht verpflichtend.

Welche Stoffe sind gut recycelbar?

Glas und Papier sind besonders gut zu recyceln. Und das mit wenig Qualitätsverlust, weil hier den Meisten die Mülltrennung leichtfällt. Papier sieht sich oft ähnlich und wir wissen schneller was zusammengehört.

Leider reicht es nicht, wenn ein Produkt aus gut recycelbaren Materialien besteht. Laut Thomas Fischer von der DHU sagen die Bestandteile einer Verpackung nicht viel über ihre Recyclingfähigkeit aus.

Getränkekartons sind ein Beispiel für schwer recycelbare Verpackungen, obwohl die Bestandteile auf den ersten Blick klar zu erkennen sind: Papier und Plastik. Auf den zweiten Blick zeigen sich die Probleme, mit denen Sortieranlagen konfrontiert sind: Das Papier ist von innen mit Aluminium beschichtet. Und auch das Plastik des Verschlusses ist nicht sortenrein, sondern ein Verbund aus verschiedenen Stoffen. Die Folge: Die Stoffe sind so schwer zu trennen, dass es leichter ist, sie zu verbrennen.  

Aufdrucke erschweren das Recycling zusätzlich, da nicht alle Anlagen nach Farbe sortieren. Und selbst wenn sie es können, erhöht die Farbe die Gefahr von Downcycling.

Wichtig ist auch zu verstehen, in welcher Form Plastik recycelt wird. Nur 34 % des recycelten PET werden zu einer neuen Getränkeflasche.

Recycling bleibt wichtig

Die erneute Verwendung von Plastik spart Rohstoffe und Geld. Was es schon gibt, muss man nicht nochmal herstellen.

Weil beim Recycling viel Energie und Wasser benötigt werden, setzen dennoch viele Firmen auf die Neuproduktion. Hinzukommt, dass in den meisten Fällen minderwertige Materialien entstehen.

Recyceln ist trotzdem ein guter Weg, um Rohstoffe wiederzuverwenden und unsere endlichen Ressourcen zu schützen. Deswegen bleiben Themen wie Mülltrennung und die Investition in Aufklärung und neue Verfahren wichtig.

Gleichzeitig ist Recycling nicht der einzige Weg. Noch wichtiger sind die konsequente Abfallvermeidung durch Kauf in Unverpacktläden und die Wiederverwendung z. B. von Mehrwegflaschen.

Foto: Natasha Remarchuk

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