Natur- & Umweltpädagogik - Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Natur- & Umweltpädagogik - Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Bei einem Familienausflug an der Donau stiegen zwei Familien mit Kindern in die bereitgestellten Kanus. Nachdem der Tourguide alle Sicherheitsmaßnahmen ausführlich erklärt hatte, legten alle Teilnehmer ihre Schwimmwesten ordnungsgemäß an. Der Guide kontrollierte alles gewissenhaft und betonte noch einmal wie wichtig es ist, die Schwimmwesten während der gesamten Tour zu tragen. In dem Moment als er den Kanus einen Schubs ins Wasser geben wollte, fragte die vierjährige Lilli, ob denn die Tiere auch eine Schwimmweste bekämen und zeigte auf die Wasseramsel, die sich gerade auf die Spitze des Kanus gesetzt hatte.

Was hat dieses Ereignis mit Natur- und Umweltpädagogik zu tun?

Ist Natur- und Umweltpädagogik hier sicherheitstechnische Unterweisung? Aufklärung über Gefahren im Wasser? Eine Werbemaßnahme für die Natur? Ein Outdoor-Event? Verständnis zeigen für Tiere? Oder für Kinder?

Die beiden Begriffe werden häufig gemeinsam verwendet und meines Erachtens ist das auch nicht falsch. Im Grunde gibt es viele Parallelen bzw. ergänzen sich beide Bereiche.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Umwelt

Umweltpädagogik ist ein Bildungsansatz, der Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen befähigen soll, durch Vermittlung von Wissen. Anhand von Aktivitäten und Erfahrungen in der Natur werden ökologische Zusammenhänge und Wissen über Naturphänomene vermittelt. Ziel ist es, ein Fundament für ökologisch sinnvolles Handeln zu schaffen, aber auch Freude und Interesse an der Natur zu wecken. Aus Nicht-Naturerfahrung resultiert oft eine falsche Vorstellung von der Natur, gegebenenfalls auch Angst („der böse Wolf, der im Wald lauert“).

Die Beziehung des Menschen zur Natur

In der Naturpädagogik geht es darum, die Beziehung des Menschen zur Natur zu erneuern und die Naturvertrautheit (wieder-) zu erlangen. Dabei ist Beziehung etwas, dass man nicht pädagogisch anordnen kann, man kann lediglich Gelegenheiten dafür schaffen. Naturpädagogische Arbeit ist nicht als Ergebnis eines politischen Programms entstanden, sondern dadurch, dass Menschen, denen eine Beziehung zur Natur am Herzen lag, diese Begeisterung mit anderen Menschen teilen wollten.

Das geschieht durch einen intensiven und vielfältigen Naturkontakt, durch eigene Erfahrungen. Freude am Forschen und Entdecken steckt in uns, auch wenn sie bei Erwachsenen etwas verschüttet ist. Wissen, das wir durch Erfahrungen gesammelt haben, ist für uns bedeutender als Wissen aus zweiter Hand.

Albert Einstein hat es auf den Punkt gebracht: „Lernen ist Erfahrung, alles andere ist Information.“

Mit Kopf, Herz und Hand

Der von Pestalozzi geprägte Ansatz „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ spielt in der Naturpädagogik eine wichtige Rolle. Dennoch: Der Weg vom Herz über den Kopf zur Hand ist bei aller Logik sehr weit und steinig. Davon auszugehen „Was ich liebe, schütze ich auch“ ist sicherlich zu kurz gedacht. Trotzdem: Lernprozesse brauchen Zeit und der Antrieb „Liebe“ ist für ein verantwortliches Handeln unabdingbar.

Lasst uns anfangen. Nicht nur bei den ganz Kleinen, sondern auch bei uns selbst!

Autorin: Katrin Heilig 

Katrin versorgt unsere Leser regelmäßig mit Wissen, Spielen und Geschichten rund um die Themen Umwelt- und Naturpädagogik. Ursprünglich stammt sie aus dem Bereich der Produktentwicklung. Getrieben von dem Wunsch noch mal etwas Neues in ihrem Leben zu beginnen, widmet sie sich nun den Themen Nachhaltigkeit, Natur, Umwelt und der Pädagogik intensiver und macht eine Ausbildung zur Naturpädagogin. Fanpost, Lobeshymnen und Liebesbriefe gehen an katrin@tinyhazel.shop

Illustration: Icons 8 

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte: Kommentare müssen genehmigt werden, bevor sie veröffentlicht werden.