Maria Montessori - eine fabelhafte Welt

Maria Montessori - eine fabelhafte Welt

Egal ob es um die Kinderkrippe oder um die Schule geht, einige Bestandteile der Montessori-Pädagogik sind in nahezu jeder Regeleinrichtung zu finden. 

Doch warum ist die Montessori-Pädagogik so beliebt? Und wodurch zeichnet sie sich aus?

Maria Montessori: Lebenslauf und Wirken

Maria Montessori wurde 1870 in Chiaravalle in der Nähe von Rom geboren. Mit 22 Jahren begann sie als erste Frau in Italien ein Medizinstudium, nachdem sie bereits Naturwissenschaften studiert hatte.

Sie promovierte im Jahr 1896 und war damit die erste Frau Italiens, die als Ärztin arbeitete. Sie spezialisierte sich im Fachgebiet Psychiatrie und beschäftigte sich währenddessen ausgiebig mit den französischen Ärzten Séguin und Itard, die für ihre heilpädagogischen Werke bekannt sind.

Maria Montessori arbeitete eine Weile als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Rom mit geistig behinderten Kindern zusammen. Danach nahm sie einen Job als Dozentin am Ausbildungsinstitut für Lehrerinnen in Rom an.

Im Jahr 1902 fing sie an, Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie zu studieren. Fünf Jahre danach eröffnete sie unter dem Namen „Casa dei bambini“ ihr erstes Kinderhaus in San Lorenzo. Dabei übertrug sie ihre Erfahrungen, die sie mit den geistig behinderten Kindern sammeln konnte, auf normal entwickelte Kinder. Sie kam zu verblüffenden Erkenntnissen, die sie in ihrem Buch „Die Entdeckung des Kindes“ festhielt.

Auch in den nächsten Jahren ihrer Arbeit im Kinderhaus beobachtete sie die Kinder als Wissenschaftlerin und dachte darüber nach, wie sie deren Aktivitäten noch weiter anregen könnte. Sie fing an, Hilfsmittel und Materialien zu entwickeln und eine Umgebung zu erschaffen, welche die Entwicklung der Kinder optimal unterstützte.

Am 6. Mai 1952 starb Maria Montessori nach einem erfüllten Leben in den Niederlanden.

Die wichtigsten Grundsätze der Montessori-Pädagogik

Maria Montessori betrachtete Kinder anders, als es dem damaligen Zeitgeist entsprach. Zu ihrer Lebzeit von 1870 bis 1952 sah man Kinder in der Regel als „unfertig“ an. Man ging davon aus, sie nach dem Willen der Erwachsenen formen zu müssen. Montessori hingegen erkannte, dass jedes Kind eine eigene Persönlichkeit hat, die man respektieren und achten muss.

Das Hauptziel ihrer Pädagogik bestand darin, dass man die Kinder zu selbstständigen und selbstbewussten Menschen erziehen sollte. Selbstständigkeit und Selbstvertrauen sind in den Augen der Pädagogin die wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch in seinem späteren Leben braucht. Das Montessori-Konzept baut dabei auf den folgenden sieben Säulen auf. 

Den Kindern eine Wahl lassen

In vielen Kindergärten und Schulen werden die Kinder stark angeleitet. „Wir malen jetzt einen Baum“ und ähnliche Aufforderungen sind keine Seltenheit. In der Montessori-Pädagogik gibt es so etwas aber nicht. Stattdessen lässt man die Kinder selbst entscheiden, was sie gerade tun wollen.

Die Erzieher drängen sie nicht zu einer bestimmten Aufgabe. Durch diese Vorgehensweise werden Unruhen in der Gruppe weitestgehend vermieden, denn jedes Kind kann seine eigenen Interessen nach Belieben verfolgen.

Montessori hatte die tiefe Überzeugung, dass wahres Interesse an einer Arbeit nur entstehen kann, wenn sich ein Kind selbst und frei dafür entschieden hat.

Hilf mir, es selbst zu tun

Das wohl bekannteste Zitat Maria Montessoris lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.“ Dieses Zitat ist ein wichtiger Punkt der Montessori-Pädagogik.

Die Kinder sollen dazu ermutigt und ermächtigt werden, je nach Wissen und Können Tätigkeiten selbst zu übernehmen, die normalerweise Erwachsene für sie erledigen – weil es einfach schneller geht.

Montessori-Pädagogen halten sich im Hintergrund und beobachten. Sie greifen nur ein, wenn die Kinder allein keine Lösung finden. Dabei zeigt sich oft, dass Kinder überraschende Möglichkeiten für Probleme erfinden, die Erwachsene ganz anders lösen würden. Diese Eigenständigkeit ist wichtig für Kinder, damit sie lernen, sich, ihrem Körper und ihrem Können zu vertrauen.

Die Umgebung vorbereiten

Kinder sollen laut Montessori selbst entscheiden können, welcher Arbeit sie gerade ihre Aufmerksamkeit schenken möchten. Deshalb ist es wichtig, dass die Materialien auch frei zugänglich sind.

Die Umgebung muss entsprechend vorbereitet sein. Das passt nicht zu den herkömmlichen, oft überladenen Kinderzimmern. Dieses Überangebot wirkt störend, weil sich die Kinder dann nicht auf eine einzige Aufgabe konzentrieren. Besser ist ein kleines Angebot an Materialien, die einen festen Platz haben sollten, damit die Kinder sie sicher finden und erreichen.

Alltägliche Aufgaben übernehmen lassen

Toben, klettern und spielen sind wichtige Tätigkeiten im Alltag eines Kindes. Trotzdem kann man auch schon kleinere Kinder an alltägliche Aufgaben heranführen.

Eltern sollten ihren Kindern laut Montessori die Möglichkeit bieten, sich selbst aus- und anzuziehen, das Getränk selbst einzugießen, das Brot mit dem gewünschten Belag zu schmieren, beim Tischdecken zu helfen oder Staub zu wischen.

Die Erwachsenen als Vorbilder

Montessori war der Auffassung, dass Kinder, bis sie etwa sechs Jahre alt sind, ihre Umgebung wie ein Schwamm aufsaugen und absorbieren – und zwar ohne zu hinterfragen und Unwichtiges von Wichtigem zu trennen.

Wegen dieser Fähigkeit lernen Kinder praktisch nebenbei. Das heißt aber auch, dass ein Kind dazu neigt, das zu tun, was der Erwachsene ihm vormacht. Beobachtet es den Erwachsenen bei einer nicht erlaubten Tätigkeit, wird das Kind es dennoch nachahmen.

Erwachsene sollten daher immer daran denken, dass sie für das Kind eine Vorbildfunktion haben und sich entsprechend verhalten.

Kosmische Erziehung

Im Zentrum der Montessori-Pädagogik steht zudem die kosmische Erziehung. Damit meinte Montessori, dass man schon jungen Kindern natürliche und globale Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten erklären sollte.

Dabei ist es ihrer Meinung nach wichtig, dass man ihnen nicht das Wissen aus ganz verschiedenen Bereichen einzeln beibringt, weil sie dieses eben oft nicht miteinander in Verbindung bringen können. Stattdessen sollen Kinder lernen, die Folgen ihres Tuns zu begreifen und deshalb verantwortungsbewusst zu handeln.

Auf diese Weise soll es ihnen leichter gelingen, ihren Platz in der Welt zu finden. Somit geht es bei der kosmischen Erziehung auch um die Beziehungen der Menschen untereinander und zwischen Mensch und Natur.

Nutzung der Montessori-Materialien

Montessori-Einrichtungen arbeiten mit sogenannten Montessori-Materialien – egal, ob es sich um eine Krippe, einen Kindergarten oder eine Schule handelt. Die Montessori-Materialien sind so gestaltet, dass sich ein Kind gerne damit beschäftigt und ganz intuitiv begreift, was es damit tun soll.

Die speziellen Materialien haben darüber hinaus eine Fehlerkontrolle. Macht das Kind also etwas falsch, merkt es das und hat die Möglichkeit, den Fehler selbst zu korrigieren. Mit den Montessori-Materialien können Kinder selbstständig arbeiten und lernen – und zwar ganz in ihrem eigenen Tempo und ihren Neigungen und Bedürfnissen entsprechend. Dadurch verbessert sich der Lernerfolg und das Selbstvertrauen steigt.

Montessori-Material zeichnet sich dadurch aus, dass es langlebig und robust ist, sodass ein Kind über Monate und Jahre hinweg damit arbeiten kann. Wegen seiner speziellen Farben und Materialien erhöht es die Freude am Lernen. Meist ist das Montessori-Material auf einen einzigen Lerninhalt begrenzt. So wird verhindert, dass das lernende Kind zu stark verwirrt wird. Stattdessen kann es sich ganz und gar auf seine eigenen Eindrücke fokussieren.

Bis heute zeitgemäß

Die Prinzipien und Elemente der Montessori-Pädagogik haben sich auf der ganzen Welt bewährt und sind seit mehr als hundert Jahren im Einsatz. Die empirischen Ergebnisse Maria Montessoris werden von der modernen Hirnforschung bestätigt.

Außerdem kommen seit einigen Jahren viele Bausteine der Montessori-Pädagogik als Lösung zum Einsatz, um das Leistungspotenzial der Kinder in Schulen zu verbessern. Gerade in der heutigen Zeit ist die Montessori-Pädagogik von großer Bedeutung, weil sie Erwachsenen dabei hilft, einen neuen und ganzheitlichen Blick auf die Kinder zu bekommen. Die Ansätze von Maria Montessori sind also keinesfalls eingestaubt oder veraltet, sondern – ganz im Gegenteil – aktueller und spannender als je zuvor.

Illustration: Icons 8 

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