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Fair Toys Organisation - soziales & ökologisches Spielzeug

Geschenkpapier fliegt in Fetzen zu Boden, Kinderaugen leuchten auf, kurze Schockstarre, und dann plötzlich, begleitet von einem „Mama, Papa, guck mal“ wird die bunte Box aufgerissen. Das Geschenk war ein Volltreffer und das Kind ist glücklich.

Für einen kurzen oder längeren Augenblick vergisst man, woher das Spielzeug kommt, wer es hergestellt hat oder unter welchen Bedingungen.

Bewusster Spaß: Die Fair Toys Organisation

Die Fair Toys Organisation wurde im Juli 2020 gegründet und setzt sich für sozial fair hergestelltes und ökologisches Spielzeug ein. Mit einem Siegel für Spielwarenhersteller will die Fair Toys Organisation (FTO) die Produktionsbedingungen verbessern und mehr Transparenz schaffen.

Die Fair Toys Organisation ist ein Zusammenschluss aus Spielzeugunternehmen, dem Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) und zivilgesellschaftlichen Organisationen (Christliche Initiative Romero, Mission Eine Welt, Werkstatt Ökonomie, Evangelische Jugend Bayern). Seit 2018 arbeitet die FTO daran, eine neue Kontrollinstanz für die Branche zu schaffen.

Nach dem Vorbild der Fair Wear Foundation (FWF) haben sie 2020 eine Organisation ins Leben gerufen, die sich nicht nur für menschliche Arbeitsbedingungen einsetzt, sondern diese auch kontrolliert und glaubwürdig an den Endverbraucher kommuniziert.

Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip der gemeinsamen Verantwortung und wurde mit der FWF 1999 in der Textilbranche eingeführt. Dieses Prinzip besagt, „dass jeder Akteur in der Lieferkette eines bestimmten Textils für die Bedingungen verantwortlich ist, unter denen das Produkt hergestellt wird.“ Das Gleiche gilt auch für Spielwaren.

Doch was sind eigentlich die Probleme, die durch eine neue Organisation behoben werden sollen?

Alles fürs Kinderlachen: Die Probleme der Spielzeugherstellung

Wie in vielen anderen Branchen ist auch die Spielzeugindustrie zu großen Teilen auf die Fertigung in China angewiesen. Knapp 80 % des in Deutschland verkauften Spielzeugs wurde 2017 in chinesischen Fabriken hergestellt. Und das unter teils sehr schlechten Bedingungen.

Die NGO China Labor Watch (CLW) untersucht seit 2001 die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken und fasst ihre Beobachtungen im jährlichen Toys Report zusammen. Dafür gehen die Ermittler und Ermittlerinnen verdeckt in Fabriken, dokumentieren die Zustände und führen Interviews mit den Angestellten.

Das Ergebnis des neuesten Reports: In den knapp letzen 20 Jahren hat sich kaum etwas geändert. Der Report beschreibt schwere Arbeitsrechtsverletzungen in fünf langjährigen Problemen:

Kein existenzsichernder Lohn

In Artikel 23 der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" heißt es: „Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert und die, wenn nötig, durch andere soziale Schutzmaßnahmen zu ergänzen ist.“

In anderen Worten: Jeder Mensch, der arbeitet, sollte sich von dem Geld Grundbedürfnisse wie „Nahrung, sauberes Trinkwasser, Unterkunft, Kleider, Schule, medizinische Versorgung und Transportkosten“ leisten können. Dazu kommt die Möglichkeit, Rücklagen für spontane Ausgaben zu bilden. 

„Ein existenzsichernder Lohn bedeutet also bei Weitem kein Luxuseinkommen.“ Viele Angestellte in den chinesischen Fabriken sind von einem solchen Lohn weit entfernt. Sie erhalten den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, dieser liegt jedoch weit unter dem, was sie zum Leben benötigen. Ausreichend verdienen sie nur in der Hauptsaison zwischen Juni und Oktober, wenn die Produktion fürs Weihnachtsgeschäft läuft und besonders viel Arbeit anfällt.

Überstunden

Wenn es heißt „Zeit ist Geld“, dann haben die chinesischen Fabrikarbeiter in doppelter Hinsicht größtenteils verloren. Denn ausreichend Zeit für ein Leben bleibt bei der Stundenzahl nicht. In der Hauptsaison verbringen die Angestellten durchschnittlich 11 Stunden am Tag in der Fabrik.

Obwohl das chinesische Gesetz nur 36 Überstunden im Monat erlaubt, konnte CLW feststellen, dass in manchen Fabriken zwischen 60 und 120 Überstunden pro Angestellten anfallen. In einer Fabrik wurde sogar der vorgeschriebene Ruhetag nicht eingehalten.

Das bedeutet, arbeiten bis zur Erschöpfung.

Arbeitsschutz

Zudem ist die Arbeit, welche sie leisten, oft nicht sicher. Die Angestellten erhalten gar keine oder nur selten Schutzkleidung. Schulungen im Umgang mit den teils gefährlichen Maschinen und Chemikalien werden nicht regelmäßig durchgeführt. Auch Schwangere werden kaum geschützt. Sie müssen weiterhin Überstunden leisten und mit den gefährlichen Chemikalien arbeiten. 

Lebensbedingungen

Die meisten Fabrikangestellten sind Wanderarbeiter. Viele haben ihre Familien und Kinder verlassen, um in einer anderen Region Chinas Arbeit zu finden. Doch das Geld reicht oft nicht aus, um sich in der Nähe des Arbeitsplatzes auch eine Unterkunft zu nehmen. So finden sich Arbeiter und Arbeiterinnen nach der Arbeit in überfüllten Zimmern mit schlechten Hygienestandards und mangelnder Ausstattung wieder. 

Gewerkschaft

Bei den Missständen wird deutlich, dass selten jemand die Interessen der Angestellten vor Ort ausreichend vertritt. Dabei gibt es neben den hier aufgeführten Problemen noch weitere Missstände. Frauen werden häufig beschimpft, sexuell belästigt und haben kaum Aufstiegschancen. Bei auftretenden Problemen sollen sich Einzelne an die Leitung wenden. In der Realität heißt das: Probleme werden entweder stillschweigend hingenommen oder es wird gekündigt.

In kleinen Schritten zum Fair Play

Der Toys Report berichtet auch über positive Veränderungen. So haben sich zum Beispiel Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen zum Teil auch verbessert. Mittlerweile wird, wenn auch noch nicht genügend, Schutzbekleidung verteilt. Kinderarbeit konnten die Ermittlungen in den geprüften Fabriken nicht finden.

Zudem werden Arbeitnehmende weiterbezahlt, wenn sie krank sind. Genauso wie im Urlaub, Mutterschutz oder an Feiertagen. 

Diese Punkte zeigen, dass es durch starken öffentlichen Druck auf Markenunternehmen zu Veränderungen kommen kann. Jedes Unternehmen und jede Kaufentscheidung kann dazu beitragen die derzeitige Lager präsenter zu machen und umzugestalten.

Fairness in der Spielzeugbranche: Alles nur Imagepflege? 

Auch wenn es immer wieder erschreckend ist, von den Missständen in den Fabriken zu lesen: Sie sind in den meisten Branchen  kein Geheimnis. Es gab und gibt viele Versuche, die Zustände zu verbessern. Eines dieser Versuche ist zum Beispiel der Verhaltenskodex des International Council of Toy Industries (ICTI). Der ICTI-Verhaltenskodex ist eine freiwillige Verpflichtung der Spielwarenhersteller, sich weltweit für menschliche und sichere Arbeitsbedingungen einzusetzen. 

Zu den Kriterien, die der ICTI abdeckt, gehören zum Beispiel, dass die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit und Lohnzahlungen eingehalten werden, Kinder- und Zwangsarbeit verboten wird, Beschäftigte weder diskriminiert noch seelisch oder körperlich diszipliniert werden oder dass die Interessen der Arbeitnehmer/innen vertreten werden. Das sind große und gute Ziele, zu denen sich Firmen freiwillig verpflichtet haben. In der Umsetzung braucht es noch Aufholbedarf. 

Als Grund sieht der Toys Report 2019: „Multinationale Unternehmen gehen die grundlegenden Probleme in ihrer Lieferkette nicht an. Indem sie Druck auf die Preise von Industriegütern ausüben, kurze Produktionsfristen festlegen, Fabriken zu kurzfristigen Verträgen und Aufträgen zwingen und maximale Flexibilität fordern, schaffen sie die Bedingungen für die ausbeuterischen Verhältnisse, die Jahr für Jahr in den Fabriken beobachtet werden.“

Ausgebeutete Arbeitende auf der einen, strahlende Kinderaugen auf der anderen Seite. Wie passt das zusammen? Gar nicht, sagt die Fair Toys Organisation. Sie stellt eine glaubwürdige Kontrollinstanz dar, die auch die Hersteller in die Pflicht nimmt. Bislang lag ein Großteil der Verantwortung auf bei den Produzenten. 

Für mehr Fairtrauen in die Spielzeugbranche

Bislang werden Produktionsstätten in sogenannten Audits überprüft. Diese sind laut Fair Toys Organisation extrem fehleranfällig. Der FTO geht es deswegen nicht um eine einmalige Momentaufnahme, sondern um regelmäßige Analysen.

Anstelle einer freiwilligen Selbstverpflichtung treten die Spielzeughersteller zusammen mit zivilgesellschaftlichen Vereinen und Spielzeughändlern in die Organisation ein. Gemeinsam erfassen und beurteilen diese drei Akteursgruppen die Zustände bei den Mitgliedsunternehmen und in deren Lieferkette. Bei Defiziten werden diese nicht nur offen benannt, sondern es werden gemeinsam mit dem betroffenen Unternehmen Lösungen gesucht und Maßnahmen umgesetzt.

Einmal jährlich führt die Organisation einen Brand-Performance Check durch. Besteht ein Unternehmen die Kriterien, vergibt die Fair Toys Organisation ein Unternehmenssiegel. Dieses Siegel zeigt dem Verbraucher, dass sich das Unternehmen für sichere und menschliche Arbeitsbedingungen einsetzt und die geforderten Standards bei der Produktion einhält. 

„Spielzeug macht unsere Kinder glücklich. Dass die, die es herstellen, davon krank werden und in bitterer Armut leben, oftmals weit entfernt von ihren Kindern, muss und kann sich ändern“, sagt Maik Pflaum, Referent für Arbeitsrechte der Christlichen Initiative Romero. Und setzt damit gemeinsam mit anderen Gründungsmitgliedern der Fair Toys Organisation einen wichtigen Schritt in Richtung sozial und ökologisch fair hergestelltes Spielzeugs.  

Wir sind Gründungsmitglied der Fair Toys Organisation. Aus Unternehmenssicht und aus privater Sicht ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir sozial und ökologisch fair hergestelltes Spielzeug vertreiben und diese Themen für die Spielwarenbranche weiter vorantreiben. Wir möchten unsere Umwelt aktiv mitgestalten und Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Wir sind kritisch bei der Auswahl unserer Hersteller und bei der Zusammenstellung unseres Produktportfolios. Seid ihr es bitte auch. 

Mehr Informationen zu der Fair Toys Organisation findest du hier

 Foto: Lime

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