Adventskalender - Türchen Nr. 18

Adventskalender - Türchen Nr. 18

Am Wochenende ist Vorlesezeit! Hinter Türchen Nr. 18 versteckt sich wieder eine zauberhafte Naturgeschichte von unserer lieben Katrin. Ganz viel Spaß beim Fliegen lernen. 

Fliegen lernen

An einem sonnigen Nachmittag liegt die kleine Sumpfschildkröte Emy wieder einmal auf ihrem Stamm im Wasser. Hier liegt sie besonders gern, denn so kann sie sich in der Sonne aufwärmen. Der See ist still. Wenn man ganz ruhig ist, hört man nur die kleinen Wellen, die an den Stamm schlagen und ganz leise plätschern.

Plötzlich wird Emy von einem lauten Geschnatter aufgeschreckt. Ruckartig streckt sie ihren Kopf nach vorne und schaut sich um. Und da sieht sie auch den Grund für das Geschnatter.

„Ach ihr seid das!“, ruft Emy. „Ihr macht ja einen Lärm!“

Fünf junge Stockenten kommen auf Emy zu geschwommen. Ganz vorne schwimmt ihre Mutter, die Stockente Erna. Die Jungen folgen ihr unentwegt wie auf einer Perlenkette aufgereiht.

Emy kennt die fünf schon. Seit sieben Wochen leben sie hier im See.

Damals konnte Emy beobachten, wie Erna ein Nest an einem geschützten Platz in Ufernähe gebaut hatte. Dazu hatte Erna viele Halme, kleine Zweige, Blätter und auch Federn zusammengetragen. In das gemütliche Nest legte Erna dann acht graugrüne Eier. Und schließlich nach ungefähr vier Wochen schlüpften daraus die Küken.

Emy erinnert sich noch gut daran, wie erstaunt sie war, als die frisch geschlüpften Küken das Nest schon nach einem halben Tag verlassen haben und sofort schwimmen konnten.

„Ach Emy!“, ruft die kleinste der fünf Jungenten und holt Emy aus ihren Erinnerungen. „Du kennst uns doch schon und weißt doch, dass wir nicht so leise sind wie du!“

„Das stimmt“, sagt Emy und nickt.

„Und erst recht nicht, wenn wir fliegen lernen!“, ruft da eine andere Jungente.

„Ihr lernt fliegen?“, fragt Emy verwundert. „Aber warum das denn? Ihr könnt doch schon schwimmen und watscheln. Wozu müsst ihr denn dann auch noch fliegen?“, fragt Emy weiter.

„Wir sind Vögel, Entenvögel“, antwortet Erna. „Wenn es uns irgendwo nicht mehr gefällt, zum Beispiel, weil es zu kalt ist, können wir an einen anderen Ort fliegen.“

„Genau!“, ruft da wieder die kleinste Jungente. Sie richtet sich im Wasser auf und flattert wild mit ihren Flügeln. Doch ihr gefiederter Körper hebt nicht ab. So sehr sie auch schlägt, er bewegt sich nicht nach oben. Nicht mal ein kleines Stück. Erschöpft lässt sie nach und ihr Kopf hängt enttäuscht nach unten.

„Nicht aufgeben!“, ruft Erna. „Schaut her. Ich zeige euch noch einmal, wie es geht!“ Erna richtet sich auf und schlägt schnell mit ihren Flügeln. Ihre fünf Kinder schauen ihr gebannt zu. Auch Emy hat ihren Blick auf Erna gerichtet. Sie fragt sich, ob die Jungen es wohl schaffen werden, jemals zu fliegen. Plötzlich sieht sie, wie vier der fünf Jungenten wild mit den Flügeln schlagen und üben.

Aber ein Junges macht nicht mit. Das kleinste von allen. Es hält seinen Kopf gesenkt und paddelt auf der Stelle.

„Warum übst du denn nicht?“, fragt Emy.

„Ich habe keine Lust mehr!“, beschwert sich die kleinste Jungente. „Ich möchte lieber so wie du auf einem Stamm sitzen und mir die Sonne auf den Rücken scheinen lassen. Es ist einfach zu schwierig. Ich habe schon so viel geübt, aber ich komme kein Stück weit in die Luft!“

Emy überlegt. Sie kann die junge Ente verstehen. Es sieht wirklich sehr mühsam aus, dieses Fliegenlernen. Aber dann denkt sie darüber nach, was Erna gesagt hat.

„Weißt du“, sagt Emy schließlich zu der kleinen Jungente. „Du musst fliegen lernen, denn wenn es hier einmal zu kalt wird, musst du zusammen mit deinen Geschwistern in wärmere Gebiete fliegen können. Ich muss das nicht, denn ich kann mich im Winter auf den Grund des Sees zurückziehen und dort überwintern.“

„Aber fliegen lernen ist so schwierig!“, ruft die kleine Jungente laut.

„Hab‘ Geduld! Alles ist schwierig, bevor es einfach wird“, sagt Emy. „Du musst nur mit deinen Geschwistern zusammen weiter üben.“

„Alles ist schwierig, bevor es einfach wird“, wiederholt die kleine Jungente und denkt darüber nach. „Du hast Recht Emy! Als ich das erste Mal einen kleinen Wurm im Wasser fangen wollte, hat das auch nicht geklappt, aber jetzt geht das ganz leicht.“

Die kleine Jungente dreht sich zu ihren Geschwistern um und flattert wieder wild mit ihren Flügeln. Unermüdlich schlagen die fünf nun und das Wasser spritzt Emy ins Gesicht. Aber Emy bleibt sitzen und schaut ihnen zu.

Nach einer Weile - es ist schon Abend geworden - sieht Emy, wie die kleinste der Jungenten plötzlich ein kleines Stück von der Wasseroberfläche abhebt. Emy schaut die kleine Jungente an und diese lächelt zufrieden und stolz zurück und sagt: „Alles ist schwierig, bevor es einfach wird!“

Autorin: Katrin Heilig 

Katrin versorgt unsere Leser regelmäßig mit Wissen, Spielen und Geschichten rund um die Themen Umwelt- und Naturpädagogik. Ursprünglich stammt sie aus dem Bereich der Produktentwicklung. Getrieben von dem Wunsch noch mal etwas Neues in ihrem Leben zu beginnen, widmet sie sich nun den Themen Nachhaltigkeit, Natur, Umwelt und der Pädagogik intensiver und macht eine Ausbildung zur Naturpädagogin. Fanpost, Lobeshymnen und Liebesbriefe gehen an katrin@tinyhazel.shop

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