Adventskalender - Türchen Nr. 2

Adventskalender - Türchen Nr. 2

Bevor wir mit unserer ersten Geschichte beginnen, gibt es einen kurzen Einführungstext über Natur-Kindergeschichten. Solltest du direkt zur Geschichte gelangen wollen, dann scrolle doch einfach weiter runter! 

Natur-Kindergeschichten

Natur ist lebendig, vielfältig und reich an Materialien, Farben und Formen. Deshalb können Naturräume tolle Erzählorte sein. Gleichzeitig liefert uns die Natur und ihre Zusammenhänge eine Fülle an Themen, aus denen wir unsere Geschichten zum Erzählen oder Vorlesen schöpfen können.

Wer kennt sie nicht? All die fabelhaften Wesen, die wir am Himmel entdecken können? Oder sind das Wolkenformationen?

Kinder besitzen eine hohe Empfänglichkeit für erzählte oder vorgelesene Geschichten und haben große Lust am eigenen Geschichtenerzählen.

Geschichten können Neugier wecken, um in ein Thema einzusteigen und fördern das Vermögen und Interesse, sich neue Welten fantasievoll vorzustellen. Wenn man Geschichten zusammen mit Kindern kreiert oder weiterentwickelt, leistet man einen bedeutenden Beitrag zur Sprachförderung der Kinder. Der Wortschatz wird erweitert und sprachliche Strukturen werden erlernt. Kinder werden zum Entwurf weiterer möglicher Welten und Geschehnisse inspiriert.

Vorlesen bedeutet: über die Geschichten sprechen

Eine hohe Bedeutung für die Wirksamkeit von Geschichten ist der Austausch mit einer Vertrauensperson. Dadurch wird die Bedeutung des Gelesenen wieder aufgegriffen und so das Gelernte gefestigt. Beim Fernsehen oder ähnlichen Medien, die Kinder allein nutzen, ist dieser Austausch nicht gegeben. Vorlesen bedeutet also: über die Geschichten sprechen.

Durch Geschichten erlernen Kinder die Fähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen. Sie werden angeregt, über verschiedene Situationen und Verhaltensweisen in ihrem Alltag nachzudenken, diese einzuordnen und zu bewerten.

Die Macht der Geschichten

Die Navajo, das zweitgrößte indianische Volk der Vereinigten Staaten, scheint Geschichten dafür einzusetzen, wenn sie ihre Kinder tadeln wollen. Das Kind wird nicht mit seinem Verhalten konfrontiert, sondern bekommt eine Geschichte erzählt über ein Kind, das genauso alt ist und das Gleiche angestellt hat. Kinder hören aufmerksam zu, da sie Geschichten lieben. Das Kind erkennt dann anhand der Geschichte, welche Folgen sein Fehlverhalten hat.

Geschichten vorlesen oder erzählen leistet also einen zentralen Beitrag zu einer ganzheitlichen Entwicklung.

Werde kreativ

Toll ist es auch, wenn man „Waldwesen“ einsetzt, zum Beispiel zwei Zapfen, die die Geschichte erzählen. Waldwesen brauchen ein gut erkennbares Gesicht, aber der Körper kann nur angedeutet sein.

Wichtig ist, dass die Geschichten, die man vorliest oder erzählt, einem auch selbst gefallen. Wenn nötig, dichtet sie einfach um!

Und jetzt: viel Freude mit der kleinen Sumpfschildkröte Emy!

Natur-Kindergeschichte:

Emy & Berta lernen sich kennen

An einem schönen Herbsttag, ganz früh am Morgen, wird Emy von wärmenden Sonnenstrahlen geweckt.

Emy ist die kleine Sumpfschildkröte, die hier im See lebt. Sie wohnt hier gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern. Aber Emy ist immer schon als erstes wach und wenn alle anderen noch schlafen, macht sie ihren ersten Ausflug.

„Ah, was für ein schöner Tag heute“, sagt Emy. Sie gähnt und streckt sich, reckt den Kopf aus ihrem Schildkrötenpanzer und schaut sich um.

Die Seerosen haben ihre Blüten bereits verloren, aber die großen Blätter schwimmen noch oben auf dem See und bilden ein dichtes Dickicht unter Wasser.

Der Wind ist an diesem Morgen noch nicht aufgewacht. Der See ist noch ganz ruhig und spiegelglatt.

Plötzlich reibt sich Emy die Augen: „Wer ist denn das?“, denkt Emy. „Auf dem Stamm, auf dem ich mich immer sonne, sitzt ein großes schwarzes unbekanntes Tier.“

Genau da, wo der Stamm aus dem Wasser ragt, ist Emys Platz zum Sonnen. Dort sitzt sie die erste Zeit des Tages, um sich nach der kalten Nacht aufzuwärmen. Nur an diesem Morgen ist der Platz besetzt.

Emy schaut gespannt auf das unbekannte Tier und denkt nach. Nun nimmt Emy all ihren Mut zusammen und ruft leise: „Hey du, du da auf dem Stamm. Wer bist du?“

Doch das unbekannte Tier gibt keine Antwort. Emy wundert sich und denkt: „Hm, kann das Tier nicht sprechen oder hat es mich nicht gehört?“

Emy nimmt all ihren Mut noch einmal zusammen und ruft wieder, jetzt ein bisschen lauter: „Hey du da auf dem Stamm. Was bist du für ein Tier?“

Jetzt dreht sich das schwarze Tier um. Es legt den Kopf ein Stück zur Seite, sieht Emy mit seinen kleinen schwarzen Knopfaugen an und sagt: „Ich bin nicht irgendein Tier. Ich bin ein Blässhuhn und mein Name ist Berta. Ich wohne hier im See, genauso wie du.“

„Aber du sitzt auf meinem Stamm“, sagt Emy. „Ich sitze immer auf diesem Stamm, denn ich muss in der Sonne sein, um mich aufzuwärmen nach der kalten Nacht.“

„Genauso geht es mir auch“, sagt Berta. „Nach dem Schwimmen muss ich mich ausruhen auf dem Stamm.“

„Schwimmen?“, fragt Emy verwundert. „Aber du hast ja gar keine Arme und nur ganz dünne Beine. Wie kannst du denn überhaupt schwimmen?“

„Ich habe zwar dünne Beine und keine Arme, aber dafür habe ich ganz breite Füße mit langen Zehen und breiten Schwimmlappen“, antwortet Berta. „Ich zeige dir, wie ich schwimmen kann. Komm mit.“

Und mit einem Satz springt Berta ins Wasser und paddelt los. Emy schüttelt sich die Wassertropfen ab, die sie beim Sprung ins Wasser ins Gesicht bekommen hat und sieht Berta verwundert zu.

Berta schwimmt einmal um den Stamm herum und ruft zu Emy: „Und tauchen kann ich auch, genauso wie du! Komm wir tauchen gemeinsam unter dem Stamm durch und schwimmen bis zur großen Eiche am anderen Ufer.“

Emy zögert noch kurz, doch dann ruft Berta: „Wo bleibst du denn? Komm doch!“

Emy holt tief Luft und taucht unter. Unter Wasser sieht sie Berta, die wild mit ihren großen Füßen paddelt. Emy schwimmt gleichmäßig mit all ihren vier Beinen - so wie sie es gelernt hat - neben Berta her und beobachtet sie weiterhin.

Sie fragt sich: „Wie kann sie das nur schaffen, mit nur 2 Beinen zu schwimmen?“

Aber es scheint ihr keinerlei Mühe zu bereiten. Emy taucht immer wieder einmal kurz auf und sieht Berta an. Sie spürt, dass sie schon bald das andere Ufer erreichen und da plötzlich ... Emy kann ihren Augen fast nicht trauen. Plötzlich erblickt sie einen wunderschönen langen Stamm.

Der Stamm ragt an einer sonnigen Stelle aus dem Wasser. Emy sieht Berta an und Berta sagt:

„Wie du siehst, gibt es viele schöne Stämme hier im See. Und es gibt genügend Platz für uns beide.“

Und so saßen sie gemeinsam auf dem neu entdeckten Stamm und redeten, bis spät am Abend die Sonne unterging.

Wollt ihr wissen, wo Emy und Berta leben? Dann besucht das Pfrunger-Burgweiler Ried!

Autorin: Katrin Heilig 

Katrin versorgt unsere Leser regelmäßig mit Wissen, Spielen und Geschichten rund um die Themen Umwelt- und Naturpädagogik. Ursprünglich stammt sie aus dem Bereich der Produktentwicklung. Getrieben von dem Wunsch noch mal etwas Neues in ihrem Leben zu beginnen, widmet sie sich nun den Themen Nachhaltigkeit, Natur, Umwelt und der Pädagogik intensiver und macht eine Ausbildung zur Naturpädagogin. Fanpost, Lobeshymnen und Liebesbriefe gehen an katrin@tinyhazel.shop

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